Notizen aus der Provinz

"Think different"....eigene Gedanken um dies und das

Interessantes Interview

„Für mich sind die Arbeiter die Herren“

Bei solch einer Überschrift stutze ich natürlich und werde neugierig. Es war ein Interview mit José Ignacio López. Den werden ja vielleicht noch einige kennen. In den achtziger und neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts galt er als gnadenloser Sanierer. Ich möchte hier aber nicht auf diese Seite seiner Arbeit eingehen, sondern mich mit seinen Ansichten über Unternehmens- und Menschenführung beschäftigen. Denn ich gehe mal davon aus, dass er in dem Interview nicht irgend einen Blödsinn erzählt hat. Dieser Einstellung kann eigentlich nicht erst in den letzten Jahren gereift sein. Ganz besonders bin ich über einige Antwort gestolpert. Denn die zeigt mir, dass er zu denen gehört, die noch wissen worauf es ankommt.

Auf die Frage, „Was war Ihr Ziel?“ antwortete er.

Für jedes Unternehmen gibt es zwei Hauptfiguren. Die erste ist der Kunde. Und alles, was man in einem Unternehmen tut, muss darauf zielen, diesen externen Protagonisten zufrieden zu stellen – nicht die Banken, die Shareholder oder die Börse.
Die zweite Hauptfigur ist der Arbeiter in der Fabrik. Alles im Unternehmen muss darauf ausgerichtet sein den Arbeiter zufrieden zu stellen – nicht die Manager, die Direktoren oder den Präsenten. Das sind keine Protagonisten. Das sind nur Leute, die arbeiten müssen , um die Hauptfiguren glücklich zu machen.

Das ist schon starker Tobak, also nicht für mich, sondern eher für die Leute, die heute auf den Posten sitzen und die Unternehmen leiten. Für mich ist es noch selbstverständlich, dass man als Unternehmer seine Kunden zufrieden stellt. Aber heute hat sich eher die Einstellung durchgesetzt, „Schnell weg, Kunde droht mit Auftrag“. Das diese Einstellung zum Untergang führt, sollte eigentlich jeden klar sein. Nur leider ist es so, dass heute nicht mehr Kaufleute die Unternehen leiten, sondern „Rechenautomaten“. Dort sind Leute am Werk, denen man zwar in der „Ausbildung“ viel in den Kopf gepresst hat, nur leider ist es nicht das, was man braucht um eine Firma erfolgreich führen zu können. Denn sonst würden ja nicht so elementare Dinge wie Kunden und Angestellte dermaßen mit Füßen getreten.

José Ignacio López hat noch eine weitere interessante Antwort gegeben.

Für mich sind die Arbeiter die Herren im Unternehmen. In den Jahren 1993 und 1994 hatten wir in Europa schlimme Probleme. Man hat keine Autos verkauft. Wer die Arbeiter nicht als Herren verstand, hat sofort den Fehler gemacht, sie zu feuern. Ich würde niemals einen Arbeiter entlassen – nie.
Bei Volkswagen haben wir den den Leuten gesagt, „Gentlemen, wir haben zu viel Arbeiter, und können nicht genug Autos verkaufen, weil die deutsche Währung an Wert verloren hat. Aber für uns seid ihr die Herren. Wir lieben euch, und wir werden keinen von euch rauswerfen. Aber wir haben nicht genug Arbeit für euch. Deshalb werdet ihr statt fünf nur noch vier Tage pro Woche arbeiten. Natürlich werden wir eurer Gehalt um 20 Prozent kürzen – aber niemand wird sein gesamtes Einkommen verlieren.

Ich möchte hier auch garnicht mal darauf eingehen, ob das nun wirklich so gesagt wurde und von wem die Anregung der 4 Tage Woche gekommen ist, ich möchte hier nur mal auf die Aussage als solches hinweisen. Denn das was er gesagt hat, ist doch genau das, welches heute das generelle Problem ist. Wenn die Zahlen nicht stimmen, fällt den Leuten im Ledersessel nichts anderes ein, als die Mitarbeiter raus zu werfen. Das ist zwar kurzfristig eine Lösung um die Zahlen wieder nach oben zu bringen. Aber langfristig gesehen ist es der wirtschaftliche Untergang des Unternehmens und der Gesellschaft.

Eine weitere interessante Aussage von José Ignacio López ist.

Um erfolgreich zu sein, darf man nicht im Büro sitzen. Man muss immer in der Fabrik sein – bei den Arbeitnehmern. Das haben viel Manager bis heute nicht verstanden. Ich hatte eben das Glück, dass mein Vater ein Arbeiter war. Er hat mich immer mit in die Fabrik genommen – und dort sind die Arbeiter alle meine Brüder geworden. Ich bin ein Arbeiter und wir sollten alle Arbeiter werden. Die anderen Manager und Präsidenten die Unternehmensführer, die haben alle keine Ahnung davon, was das bedeutet. Für die ist das Leben der Arbeiter weiter weg wie der Mars.

Selbst wenn man mal die blumige Ausschmückung weg lässt, so sagt er genau das, was auch ich denke und sage. Die Leute, die heute an den Hebeln der Macht sitzen, wissen garnicht was sie anrichten. Das können sie ja auch garnicht wissen. Das sind Leute, die aus der Schule direkt zur Uni sind und von dort gleich in die höheren Unternehmensetagen. Die wissen garnicht was es bedeutet als kleiner Angestellter zu arbeiten. Das haben sie nie kennen gelernt. Die haben in der Regel noch nie einen Kunden geschweige denn einen Arbeiter aus den Fabriken getroffen und sich mit ihnen unterhalten.

Schließen möchte ich mit einem Zitat welches José Ignacio López zugeschrieben wird.

Wenn du arm bist, arbeite! Wenn du reich bist, arbeite! Wenn du glücklich bist, arbeite weiter! Müßiggang erzeugt Zweifel und Ängste.

[…]Bis auf das letzte Zitat entstammen alle der Printausgabe der Goslarschen Zeitung, die Hervorhebungen sind durch mich gemacht worden.

1 Kommentar

  1. Wahre Worte, die der Herr José Ignacio López da von sich gibt, aber mal ehrlich: Kommt er mit diesen Ansichten nicht viel zu spät ??

    Seine Ansichten interessieren doch keinen der hochdotierten (besserer Ausdruck: Überbezahlten) Konzernleitern mehr 🙁

    Für die sind die Arbeitnehmer schon längst nur ein Kostenfaktor, den es zu reduzieren gilt, koste es, was es wolle 🙁 🙁

    Und haben sie es geschafft, ein Unternehmen zu sanieren (soll heissen, kaputt zu wirtschaften), wechseln sie schlagartig zum nächsten Konzern über, um ihr zerstörerisches Tun dort weiter zu führen :-((

    Meiner Meinung nach sind diese „Konzernbosse“ schlimmer als die sog. „Heuschrecken“ 🙁

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