Notizen aus der Provinz

"Think different"....eigene Gedanken um dies und das

Ziemlich geschmacklose Aktion in meinen Augen

Sorry, aber diese Aktion der berliner WASG finde ich einfach nur geschmacklos.
Das ist genau der selbe populistische Mist den sie den „Großen“ Parteien vorwerfen. Wie kann man solch eine Aktion auf Kosten anderer Durchführen und noch viel schlimmer, warum haben sich Leute gefunden, die da mit gemacht haben. Gehen den Linken schon die Ideen aus, dass sie auf solch ein Niveau sinken mußten?

Ach so, man weiß ja noch garnicht worüber ich mich aufrege. Es geht darum, dass die WASG in Berlin Arbeitslose zum Essen in ein Nobelrestaurant eingeladen hat. Das mußt doch jedem klar sein, dass das schief geht. Aber wahrscheinlich war das ja auch genau das beabsichtigte Ergebnis. Denn sonst wäre man ja nicht darauf vorbereitet gewesen und hätte Prosecco und Kaviarbrötchen im Gepäck gehabt. Was soll den solch ein Mist? Kaum einer der Anwesenden wäre doch auch mit einem Job niemals in solch ein Restaurant gegangen. Zum anderen dürfte der „Dresscode“ der Anwesenden kaum dem Etablissement angepaßt gewesen sein. Ich kann also die Betreiber sehr gut verstehen, dass sie den Laden dicht gemacht haben. Wer findet es schon toll, dass vor seinem Restaurant eine Horde Medienvertreter herumlungert.
Übrigens finde ich die weitere Reaktion der Betreiber aber gut. Zum einen wurde ein Arbeitsloser der einen Tisch reservierter hatte eingelassen und dann eingeladen. Er dankte die Großzügigkeit damit, dass er mit den eingepackten Resten der Mahlzeit vor den Kameras posierte. 👿
Aber nun kommen wir zu der Reaktion, die ich wirklich klasse finde. Den anwesenden Arbeitslosen wurden Jobs angeboten. Die Betreiber des Restaurants suchen seit einiger Zeit händeringend einen Mitarbeiter im Lager. Mal sehen, ob darüber berichtet wird, ob sich jemand der Anwesenden vorgestellt hat und eventuell sogar eingestellt wurde.

9 Kommentare

  1. Das habe ich gerade in der Berliner Zeitung gelesen. Also manchmal kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.
    Nur gut, dass wir nicht mit der WASG in Berlin zusammenarbeiten, dieser komische Haufen, hat in der Politik nix verloren.

  2. Also bei solchen Aktionen habe die wirklich nichts in der Politik verloren. Das ist dermaßen geschmacklos, da kann man noch nicht mal den Kopf drüber schütteln.

  3. Wenigsten besaß der Besitzer Humor und die Berliner WASG wird auch nicht ins Abgeordnetenhaus einziehen, aber sie kostet den Linken dennoch einige Stimmen.

  4. Vielfach wird die WASG mir den Linken gleichgesetzt. Da sollte man möglichst bald Klarheit schaffen.

  5. Warum geschieht das? Die Linke muss in ein schlechtes Licht gerückt, damit auch ja keiner auf die Idee kommt sie zu wählen.
    Wenn bei uns in S-A die WASG negativ auffällt, dann steht am anderen eine ganze Zeitungsseite voll davon.
    Wenn es aber zu wirklich lobenswerten Aktionen kommt, wo beide beweisen, dass sie zusammenarbeiten können.
    Oder wie in den letzten Monaten bewiesen, der Zusammenschluß beider Parteien problemlos klappt, dann steht nicht einmal ein Zweizeiler darüber in der Zeitung.
    In Sachsen-Anhalt ist seit einen halben Jahr wirklich Ruhe, beide Vorstände arbeiten schön zusammen und es gibt gemeinsame Projekte und die Fusion ist am Laufen, aber niemand erfährt etwas davon.

  6. Ich muss doch mal fragen, was an der Aktion geschmacklos sein soll? Im Prinzip weist sie symbolisch in die richtige Richtung. Dass diese Menschen möglicherweise solche Restaurants auch nicht aufsuchten als sie in Arbeit waren, bei dieser Aussage wäre ich vorsichtig. Ich kenne Menschen, die halt nur drei mal im Jahr essen gehen und dafür in solche Restaurants.
    Aber zurück zum meinem Hauptargument: HARTZ IV wurde auch geschaffen, um einen Niedriglohnsektor und miese Bezahlung und Arbeitsbedingungen in der BRD gesellschaftsfähig zu machen, während gleichzeitig das Erwirtschaftete ungerecht verteilt wird.
    Warum sollten die, die sich diese Restaurants leisten können nicht damit konfrontiert werden, dass sie dort an einem Abend ausgeben, womit andere einen ganzen Monat lang auskommen müssen.

    Wenn die Presse etwas als geschmacklos bezeichnet, frage ich mich doch sofort, wieso sie nicht anderes ebenso als geschmacklos bezeichnet? Und wieso sollte der Erwerbslose der reserviert hatte, bei einer symbolischen Aktion Dankbarkeit zeigen?
    Vielleicht war diese Aktion mißglückt, ich hätte sie anders aufgezogen. Vielleicht kann man der WASG vorwerfen, dass sie zu faul war eine richtige Aktion zu organisieren und zu sehr in Richtung Presse geschielt hat aber der Grundgedankewar im Grunde okay, für mich. Geschmacklos finde ich anderes, Z.B. dass ein Peter Grotian es toll fände, wenn Erwerbslose in Hungerstreik treten. Er selbst natürlich nicht und dass er damit den Erwerbslosen quasi das letzte Mittel zum friedlichen Widerstand vorwegnimmt.

    Sehr anschaulich sind solche Aktionen in dem Roman „Leben am Rand“ von Sarah Schulman beschrieben und auch die „Überflüssigen“ sind in solcher Hinsicht sehr aktiv.

  7. Geschmacklos bezeichne ich es, weil mit solchen Aktionen nur ganz billiger Wahlkampf auf Kosten der Betroffenen gemacht wird. Mit solchen Aktionen wird den Betroffenen die letzte Ehre genommen und der „Hass“ geschürt.
    Wenn sie etwas gegen das System machen wollen, dann sollen sie es ändern. Aber mit solchen Aktionen ändern sie garnichts. Im Gegenteil, damit wird nur der „Hass“ und die Verachtung der verschiedenen Gesellschaftschichten gegeneinander geschürt.
    Was bitte haben die die Kunden und der Betreiber des Lokals damit zu tun, was die deutschen Politiker verbocken? Der Betreiber der Restaurants kann am allerwenigsten dafür, der ist wahrscheinlich derjenigen, der dort am meisten arbeitet. Warum muß man also die Arbeitslosen gegen die „Verdienenden“ aufwiegelnd. Der „Hass“ der Arbeitslosen auf diejenigen die noch Arbeit haben, ist eh schon vorhanden. Das muß man nicht noch mit solchen Aktionen schüren.

  8. Okay, an dem Punkt,dass bei solchen Aktionen Gesellschaftsschichten aufeinander gehetzt werden könnten, kann ich Dir folgen. Wobei das in erster Linie nicht durch solche Aktionen passiert. Deswegen kann ich nicht nachvollziehen, dass man solche Aktionen deshalb vermeiden sollte. Aufeinandergehetzt werden die gesellschaftlichen Gruppen sowieso. Wieso soll man offene Konflikte vermeiden? Bzw. das Offenlegen von Konflikten? Die Menschen in den Restaurants hätten ja auch Alternativen: wie wäre es denn mal mit Solidarität? Wenn die Gäste in den Restaurants aufstehen und die vor der Tür stehenden als ihre Gäste reinholen?

    Was den Hass der Erwerbslosen auf die noch Erwerbstätigen angeht, das kann ich nicht nachvollziehen. Ich erlebe das nicht. Ich erlebe eher, dass die Menschen, die ich aus den Erwerbslosenzusammenhängen kenne, sehr klar vor Augen haben worum es eigenltich geht, neben dem Herausdrängen von Arbeitslosen aus dem Leistungsbezug: um den Abbau von sozialen und Arbeitsrechten. Kaum einer, der nicht genau weiß, was in den Betrieben los ist und wie es den Menschen damit geht.

    Wahrscheinlich ist die Aktion der WASG nicht geeignet dafür, weil sie die Erwerbslosen funktionalisiert hat, wie ich annehme. Aber die Idee geht in die richtige Richtung. Müsste nur von einer anderen Seite kommen.

    Okay, ich sehe schon, ich nähere mich Dir immer mehr an. Wenn ich das nehme, was ich da geschriehen habe, wäre mal eine Aktion die die Solidarität zwischen den Erwerbslosen und Noch-Erwerbstätigen sichtbar macht. Die gibt es auch und leider auch eine große Hilflosigkeit.

  9. Ich habe ja im Prinzip nicht gegen solche Aktionen. Ich würde sogar mehr Aktionen begrüßen wenn sie die auf die wahre Situation der Erwerbslosen hinweisen. Gerne auch in Solidarität mit den sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Aber bitte nicht auf Kosten der Erwerbslosen. Denen hat man eh schon den überwiegenden Teil ihrer Ehre genommen.

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